Ist Monitoring ohne Indikatoren und Zahlen möglich?

Mit Monitoring verbinden wir in der Regel ein Set an Indikatoren, zu welchem kontinuierlich Daten erhoben werden. Mittlerweile gibt es wohl kaum mehr Lebensbereiche, zu welchen nicht laufend Zahlen gesammelt und aufbereitet werden, um Entwicklungen beurteilen zu können: Lebensqualitätsindikatoren, Finanzkennzahlen, Gesundheitsindikatoren, Schadstoffmessgrössen, Indikatoren für Spitalvergleiche, etc. Wir sind uns derart gewohnt, Entwicklungen in Zahlen auszudrücken, dass wir uns ein Monitoring ohne Indikatoren und Zahlen kaum vorstellen können. Es gibt aber Alternativen.

In der Entwicklungszusammenarbeit wurde in den letzten Jahren ein Monitoringansatz entwickelt, welcher ohne Indikatoren und Zahlen auskommt. Der am story telling angelehnte Ansatz, welcher sich „Most Significant Change (MSC) Technique“ nennt, bittet Akteure im Feld, regelmässig (z.B. einmal monatlich) über massgebliche Veränderungen zu berichten. Dazu wird eine Stimulusfrage vorgegeben, welche typischerweise etwa so lautet:

„Welches war aus Ihrer Sicht im letzten Monat die massgeblichste Veränderung im Quartierleben, die durch das Programm bewirkt wurde?“  

Die Geschichten werden in einem partizipativen Gruppenverfahren gesammelt, gelesen, diskutiert und beurteilt. Die bedeutendsten Geschichten werden ausgewählt, die Wahl begründet und an die Akteure zurückgemeldet. In der Regel bleibt in diesem mehrstufigen Verfahren lediglich eine Geschichte pro Runde übrig. In regelmässigen Abständen, z.B. einmal jährlich, werden die ausgewählten Geschichten zu einem Monitoringbericht verdichtet.

Zu diesem innovativen Monitoringansatz gibt es eine ausführliche Anleitung mit vielen Beispielen und Erfahrungen aus der Praxis:

Davies, Rick; Dart, Jess (2005) The ‘Most Significant Change’ (MSC) Technique. A Guide to Its Use

Eine willkommene Abwechslung zu unserer zahlengetriebenen Evaluationskultur!

Die Technik kann sowohl zur Evaluation von Programmwirkungen genutzt werden als auch ohne Bezug zu einer Intervention. Wird sie zur Evaluation eingesetzt, so empfehlen die Autoren, die Technik nicht isoliert, sondern in Kombination mit anderen Methoden einzusetzen, um vom Potenzial verschiedener Methoden profitieren und Synergien nutzen zu können. Und wer nicht ganz auf Zahlen verzichten kann, für den gibt es auch innerhalb der dieses Ansatzes Möglichkeiten, Aspekte aus den Geschichten zu quantifizieren 😉

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